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Melih Bayindir – Vorsorge & Sicherheit

Ratgeber

Welche Versicherungen braucht man wirklich?

Es gibt in Deutschland über hundert Versicherungssparten. Wirklich notwendig ist davon eine einstellige Zahl. Die Frage ist nur: welche – und in welcher Reihenfolge?

Grundlagen · 6 Min. Lesezeit · Stand 29. September 2026

Das einzige Kriterium, das zählt

Versicherungen sind dazu da, Risiken zu tragen, die Sie selbst nicht tragen können. Daraus folgt ein einziges Auswahlkriterium: Wie hoch wäre der Schaden im schlimmsten Fall – und könnten Sie ihn aus eigener Kraft bezahlen?

Nach dieser Frage sortiert, fällt ein großer Teil des üblichen Angebots sofort heraus. Ein defektes Smartphone kostet ein paar hundert Euro. Das ist ärgerlich, aber kein Fall für eine Versicherung, sondern für eine Rücklage. Ein Personenschaden, für den Sie haften, kann dagegen sechs- oder siebenstellig werden – und dafür reicht keine Rücklage der Welt.

Die zweite Frage ist die nach der Wahrscheinlichkeit, und sie ist weniger wichtig als die erste. Seltene Ereignisse mit existenzieller Wirkung gehören versichert, häufige Ereignisse mit kleiner Wirkung nicht. Genau umgekehrt sieht allerdings der Vertragsbestand vieler Haushalte aus.

Stufe 1: Ohne diese beiden geht es nicht

Diese beiden gehören in jeden Haushalt, unabhängig von Einkommen, Alter oder Lebenssituation. Alles, was danach kommt, hängt von den Umständen ab.

  • Privathaftpflichtversicherung – In Deutschland haftet man für verursachte Schäden unbegrenzt – mit dem Vermögen und über Jahre hinweg mit dem pfändbaren Einkommen. Ein Moment der Unachtsamkeit kann lebenslange Folgen haben. Der Beitrag liegt im zweistelligen Jahresbereich. Es gibt keine Versicherung mit einem besseren Verhältnis von Kosten zu Schutz.

  • Absicherung der Arbeitskraft – Ihr künftiges Einkommen bis zur Rente ist in der Regel Ihr größter Vermögenswert. Fällt es gesundheitsbedingt weg, greift die gesetzliche Erwerbsminderungsrente erst unter engen Voraussetzungen und liegt deutlich unter dem letzten Netto. Die Berufsunfähigkeitsversicherung schließt diese Lücke.

Stufe 2: Abhängig von Ihrer Situation

  • Risikolebensversicherung – Notwendig, sobald andere Menschen finanziell von Ihnen abhängen – Partner, Kinder, ein gemeinsamer Immobilienkredit. Ohne diese Abhängigkeit nicht erforderlich.

  • Wohngebäudeversicherung – Pflichtprogramm für Immobilienbesitzer und faktisch Voraussetzung jeder Finanzierung. Wichtig ist hier die Erweiterung um Elementarschäden, die in älteren Verträgen meist fehlt.

  • Kfz-Haftpflichtversicherung – Gesetzlich vorgeschrieben bei eigenem Fahrzeug. Die Frage ist nicht ob, sondern mit welcher Deckung und ob Voll- oder Teilkasko sinnvoll ist.

  • Krankentagegeld – Für Selbstständige zentral, weil bei längerer Krankheit sonst sofort das gesamte Einkommen wegfällt. Angestellte haben durch die Lohnfortzahlung und das gesetzliche Krankengeld einen Puffer – aber auch der endet.

Stufe 3: Sinnvoll, aber nicht zuerst

Hausratversicherung, Rechtsschutz, private Unfallversicherung und Tierhalterhaftpflicht sind nützlich, aber keine Existenzfragen. Ob sie sich lohnen, hängt von Ihrem Vermögen, Ihrer Wohnsituation und Ihrem persönlichen Sicherheitsbedürfnis ab.

Ein verbreitetes Missverständnis betrifft die private Unfallversicherung: Sie wird häufig als Ersatz für eine Berufsunfähigkeitsversicherung verkauft, deckt aber nur einen kleinen Teil des relevanten Risikos ab. Die meisten dauerhaften Einschränkungen entstehen durch Krankheit, nicht durch Unfall. Als Ergänzung ist sie sinnvoll, als Ersatz nicht.

Stufe 4: In den meisten Fällen verzichtbar

Handyversicherungen, Garantieverlängerungen, Reisegepäckversicherungen, Brillenversicherungen: Alle decken Schäden ab, die im schlimmsten Fall einige hundert Euro kosten. Über die Laufzeit übersteigt die Summe der Beiträge häufig den möglichen Schaden – und das Geld wäre auf einem Rücklagenkonto besser aufgehoben.

Das heißt nicht, dass solche Verträge nie sinnvoll sind. Es heißt nur: Sie gehören ans Ende der Liste, nicht an den Anfang. Und wenn das Budget begrenzt ist, gehören sie gar nicht auf die Liste.

Häufige Fragen

Für einen typischen Haushalt sind vier bis sechs Verträge ein realistischer Rahmen. Deutlich mehr deutet meist auf gewachsene Doppelungen hin, deutlich weniger häufig auf eine Lücke bei Haftpflicht oder Arbeitskraft.

Meist zum Ende der Vertragslaufzeit mit Frist. Wichtig: Prüfen Sie vor der Kündigung, ob das Risiko wirklich entbehrlich ist – und bei Vorsorgeverträgen, ob ein alter Garantiezins verloren ginge. Kündigen ist dort oft der teuerste Weg.

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Ein Artikel kann keine individuelle Beratung ersetzen. Für Ihren konkreten Fall sprechen wir am besten direkt.

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