Leistung 06
Berufsunfähigkeitsversicherung: Ihre Arbeitskraft ist Ihr größtes Kapital.
Rechnen Sie einmal nach, was Sie bis zur Rente noch verdienen werden. Bei den meisten Menschen kommt eine Summe heraus, die jeden Immobilienwert übersteigt. Genau dieses Kapital ist in der Regel am schlechtesten abgesichert.
Was die gesetzliche Absicherung leistet – und was nicht
Wer seinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kann, fällt nicht ins Nichts, aber deutlich tiefer als die meisten erwarten. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente knüpft nicht an Ihren Beruf an, sondern an die Frage, ob Sie überhaupt noch irgendeine Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ausüben können. Wer noch drei Stunden täglich arbeiten kann, gilt als teilweise erwerbsfähig – unabhängig davon, ob der erlernte Beruf noch möglich ist.
Die Höhe der Leistung verstärkt das Problem: Eine Erwerbsminderungsrente liegt spürbar unter dem letzten Nettoeinkommen, und wer früh im Berufsleben betroffen ist, hat nur wenige Beitragsjahre gesammelt. Der Unterschied zwischen dem, was benötigt wird, und dem, was gezahlt wird, ist die Lücke, um die es bei der privaten Absicherung geht.
Anders als die gesetzliche Rente stellt eine private Berufsunfähigkeitsversicherung auf Ihren konkret ausgeübten Beruf ab. Können Sie diesen zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausüben, wird gezahlt – auch dann, wenn Sie theoretisch etwas anderes tun könnten.
Worauf es im Bedingungswerk wirklich ankommt
BU-Tarife unterscheiden sich weniger im Beitrag als in den Bedingungen. Und die Bedingungen entscheiden im Leistungsfall darüber, ob gezahlt wird. Diese Punkte prüfe ich bei jedem Angebot:
Verzicht auf abstrakte Verweisung – Der Versicherer darf Sie nicht auf einen anderen Beruf verweisen, den Sie theoretisch noch ausüben könnten. Ein Tarif ohne diesen Verzicht ist für die meisten Situationen unbrauchbar. Heute Standard bei guten Anbietern – aber unbedingt zu prüfen.
Prognosezeitraum – Üblich sind sechs Monate: Wer voraussichtlich sechs Monate berufsunfähig ist, erhält Leistung. Längere Prognosezeiträume verzögern die Zahlung erheblich.
Rückwirkende Leistung – Gute Tarife zahlen rückwirkend ab Beginn der Berufsunfähigkeit, wenn diese erst später festgestellt wird. Ohne diese Klausel entsteht eine Finanzierungslücke von Monaten.
Nachversicherungsgarantie – Die Möglichkeit, die Rente ohne neue Gesundheitsprüfung zu erhöhen – bei Heirat, Geburt, Gehaltssprung, Immobilienkauf oder Berufseinstieg. Der wichtigste Baustein für junge Versicherte, die heute noch nicht die Rente absichern können, die sie später brauchen.
Beitragsdynamik und Leistungsdynamik – Eine Rente von 2.000 Euro hat in dreißig Jahren erheblich weniger Kaufkraft. Eine Dynamik in der Leistungsphase hält die Rente nach Eintritt des Leistungsfalls wertstabil – oft unterschätzt.
Regelung bei Arbeitsunfähigkeit – Eine AU-Klausel leistet bereits, wenn ärztlich attestierte Arbeitsunfähigkeit vorliegt, bevor der volle BU-Nachweis geführt ist. Das verkürzt Wartezeiten in der kritischen Phase deutlich.
Die Gesundheitsprüfung ist der eigentliche Engpass
Der Antrag entscheidet über den Versicherungsschutz – nicht das Marketing. Vorerkrankungen, Psychotherapie, Rückenbeschwerden oder Medikamenteneinnahmen können zu Risikozuschlägen, Leistungsausschlüssen oder einer Ablehnung führen. Und eine abgelehnte Anfrage ist kein neutraler Vorgang: Sie kann bei weiteren Anträgen relevant werden.
Deshalb gilt die Reihenfolge: zuerst klären, dann beantragen. Über eine anonyme Risikovoranfrage lässt sich bei mehreren Versicherern prüfen, wie sie Ihre Vorgeschichte bewerten – ohne dass Ihr Name und damit ein Vorgang entsteht. Erst wenn ein tragfähiges Ergebnis vorliegt, wird ein echter Antrag gestellt.
Ebenso wichtig: die Gesundheitsfragen vollständig und korrekt zu beantworten. Wer hier etwas weglässt, riskiert im Leistungsfall den Rücktritt des Versicherers wegen Anzeigepflichtverletzung. Der beste Tarif nützt nichts, wenn der Antrag angreifbar ist.
Wie hoch muss die Rente sein?
Als Orientierung dient Ihr Nettoeinkommen, nicht Ihr Brutto – im Leistungsfall sollen die laufenden Kosten gedeckt sein. Zu berücksichtigen sind laufende Kredite, Miete oder Finanzierung, Beiträge zur Kranken- und Vorsorgeversicherung, die im Leistungsfall weiterlaufen, und der Umstand, dass die BU-Rente teilweise steuerpflichtig ist.
Gleichzeitig begrenzen Versicherer die absicherbare Höhe im Verhältnis zum Einkommen. Wer als Berufseinsteiger noch nicht die Rente absichern kann, die später nötig wird, löst das über die Nachversicherungsgarantie – nicht über Verzicht.
Und wenn der Beitrag für die ideale Absicherung heute nicht darstellbar ist: Eine reduzierte BU mit guten Bedingungen ist fast immer besser als eine Alternativlösung mit schwächerem Leistungsversprechen. Bei der Arbeitskraft entscheidet die Qualität der Bedingungen, nicht die Höhe des Beitrags.
Beratung zur Berufsunfähigkeit in Weinheim
Ich begleite Mandanten in Weinheim, an der Bergstraße und in der Region Rhein-Neckar durch diesen Prozess: von der Einschätzung der Vorerkrankungen über die anonyme Voranfrage und den Bedingungsvergleich bis zur Antragstellung. Als unabhängiger Makler bin ich dabei an keinen Versicherer gebunden – und im Leistungsfall der Ansprechpartner, der die Korrespondenz übernimmt.
Häufige Fragen
Häufig ja, aber die Bewertung unterscheidet sich stark zwischen den Versicherern. Manche reagieren auf orthopädische Vorgeschichten mit einem Ausschluss, andere mit einem Zuschlag, wieder andere mit normaler Annahme nach Rückfrage. Genau das klärt eine anonyme Risikovoranfrage, bevor ein Antrag gestellt wird.
Die BU stellt auf Ihren konkreten Beruf ab. Eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung leistet erst, wenn Sie praktisch keine Tätigkeit mehr ausüben können – das ist eine deutlich höhere Hürde. Sie ist günstiger, aber auch eine erheblich schwächere Absicherung und eher eine Rückfalloption, wenn eine BU nicht möglich ist.
Idealerweise bis zum Beginn Ihrer Altersrente, denn die Lücke besteht bis dahin. Endet der Vertrag mit 60, fehlt die Absicherung in den Jahren mit dem statistisch höchsten Risiko. Ein früheres Endalter senkt den Beitrag – und genau dort, wo es am meisten darauf ankäme, auch den Schutz.
Ja, sofern kein entsprechender Ausschluss vereinbart wurde. Psychische Erkrankungen gehören zu den häufigsten Ursachen für Berufsunfähigkeit. Tarife, die diesen Bereich ausschließen oder begrenzen, verlieren damit einen wesentlichen Teil ihres Werts – ein Punkt, der beim Vergleich oft übersehen wird.
